watson

Die Welt – na ja, zumindest die Schweiz – hat sehnsüchtig auf den Start gewartet. Um 21:00 Uhr ging dort das neue Newsportal online: Watson. Angelehnt an die englische Phrase „What’s on“ soll der Name scheinbar Programm sein: darstellen, was in der Schweiz und auf der Welt los ist. An das 20 Millionen Euro teure Projekt werden hohe Erwartungen geknüpft. Wir dürfen gespannt sein, ob der ehemalige Chefredakteur von 20min.ch und jetzige Watson-Kopf Hansi Voigt mit seinem rund 50-köpfigen Team diesen Erwartungen gerecht wird. Zwar wolle sich Voigt zu Beginn ruhig Fehler erlauben, wie er der NZZ mitteilt (Watson befindet sich in der Betaphase), aber innerhalb der nächsten vier Jahre seien schwarze Zahlen das Ziel.

Der erste Eindruck

Das Portal hebt sich optisch stark von der Konkurrenz ab. (…) Mit einem Mix aus Information und Zeitvertreib sowie multimedialen Erzählformen will sich watson vor allem bei einer jungen, mobilen Leserschaft etablieren.

Rubriken und Themen per Klick. Screenshot.

Rubriken und Themen per Klick. Screenshot.

Das behauptet Watson in seiner Pressemitteilung am Abend. Zumindest den optischen Eindruck kann ich bestätigen. Alle überregionalen, klassischen Nachrichtenportale unterscheiden sich optisch deutlich von dem Neuzugang aus der Schweiz. Im ersten Moment musste ich an das WordPress-Theme „AutoFocus“ denken. Auf watson.ch sucht man vergeblich nach einer Menüzeile, einer Seitenspalte oder ähnlichen Elementen. Einem großen Aufmacher (großes Bild, große Lettern) – ein bisschen in Huffington Post Manier – folgen vor allem Bilder und Titel in Kachelform – bildlastig wie die BILD -, ergänzt mit kurzen, farbig hervorgehobenen Rubrikenübersichten. Ein responsives, mobilfreundliches Design; eine App soll im Februar folgen. Zwischen den Teasern sind Werbebanner platziert. Allerdings setzt Watson neben Bannern auf „neue Formen von Native Advertising“, wie in der Pressemitteilung nachzulesen ist. Auf eine Paywall wird verzichtet.

Kommentarverwaltung, Statistik, Kontakt. Screenshot.

Kommentarverwaltung, Statistik, Kontakt. Screenshot.

Ein Button oben rechts öffnet bei Klick die Rubriken (Gesellschaft & Politik, Wirtschaft, Wissen, Sport, Panorama, Digital & Games, Yolo) sowie diverse Themenfelder inklusive einer Suchmaske. Unten links gelangt man über einen Button auf „Mein Watson“. Sobald ich mich registriert oder über ein soziales Netzwerk verknüpft habe, kann ich dort meine geschriebenen Kommentare verwalten und sogar persönliche Statistiken einsehen. Ein interessantes Feature, dessen Zweck noch erprobt werden muss. Außerdem habe ich die Möglichkeit, mich mit einem Klick an die Redaktion zu wenden, um Kritik oder Wünsche zu äußern oder Hinweise abzuliefern. Das macht den Dialog mit Lesern unkompliziert einfach, endlich. Das Layout ist sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig, aber deshalb keinesfalls abzuwerten. Im Gegenteil. Kein Schnickschnack, übersichtlich, textreduziert.

Transparent wird schon im Teaserbild gemacht, dass dieser Beitrag von Spiegel Online stammt. Screenshot.

Transparent wird schon im Teaserbild gemacht, dass dieser Beitrag von Spiegel Online stammt. Screenshot.

Und inhaltlich? Das lässt sich jetzt, wenige Stunden nach dem Start, kaum beurteilen. Aber die eigene Positionierung, nämlich der „Mix aus Information und Zeitvertreib“, trifft es ganz gut. Watson präsentiert klassischen Nachrichtenjournalismus (zum Beispiel hier), ein bisschen Buzzfeed-Style (etwa Listicles wie dieses) und Geschichten in grandioser Aufmachung (hier). Was beim Überfliegen der Beiträge direkt ins Auge springt, sind die zahlreichen Verlinkungen zu anderen Portalen und das fleißige Einbetten von Bildern, Videos und Tweets. Was Blogger schon lange können, kann Watson jetzt auch. Interessant ist vor allem die Kooperation mit dem deutschen Flaggschiff Spiegel Online. Damit hat der Newsportal-Neuling aus dem Nachbarland einen großen Fisch an der Angel – gewiss nicht zu seinem Nachteil.

Fazit

Fazit? Seid ihr verrückt? Ich lehne mich doch schlappe vier Stunden nach dem Onlineschalten von Watson nicht so weit aus dem Fenster, um ein Fazit zu ziehen. Wie überall gilt: Lasst Watson seine Zeit, um sich zu entwickeln. Im Gegensatz zum Start der Huffington Post im Oktober 2013 – ich war schon etwas enttäuscht – machen die Schweizer Kollegen definitiv etwas richtig: Sie sind anders, schauen sich Richtiges ab und lassen (hoffentlich) Schlechtes weg. Ob es ihnen gelingt, werden wir sehen. Vielleicht auch bald in Deutschland?

Tipp: Hier gibt es den SRF “10vor10“ TV-Beitrag zu Watson.

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