karstenlohmeyer

In einer kleinen Serie lasse ich einige Journalisten zum Thema Selbstvermarktung zu Wort kommen – und zwar solche, die das ziemlich gut drauf haben. Bisher: Daniel Bouhs, Daniel Fiene, Tobias Gillen und Silke Burmester. Heute am Start: Karsten Lohmeyer. Den LousyPennies.de – Blogger findet ihr bei Twitter und auf seinem Blog.

„Alles in allem würde ich das als „Journalismus pur“ beschreiben.“

Viele sprechen davon, Journalisten müssten sich zur Marke entwickeln. Du hast das schon geschafft. Verrate uns doch bitte dein persönliches Geheimrezept.

Ob ich das wirklich schon geschafft habe, weiß ich gar nicht. Dass ich mir eine gewisse Bekanntheit in der Journalistenblase erarbeitet habe, liegt zuallererst an einer einzigen, spontanen Entscheidung Ende des Jahres 2012: Ich habe angefangen, auf LousyPennies.de zu bloggen und aktiv zu twittern. Wenn man hier von Geheimrezept sprechen kann, dann ist es der Versuch, eine eigene Stimme in dieser oft sehr aufgeregten
Blog-Welt zu finden und Inhalte zu schaffen, die unsere Zielgruppe interessieren und begeistern. Mein Co-Blogger Stephan Goldmann und ich versuchen nicht über Leute zu sprechen, sondern mit ihnen. Wir versuchen nicht zu eifern, sondern Nutzwert zum Thema „Geld verdienen im Internet“ zu bieten. Dazu ein paar spannende Gastautoren und vor allem eine aktive Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen, die unsere Branche
beschäftigen – fertig ist das Rezept. Alles in allem würde ich das als „Journalismus pur“ beschreiben. Es macht uns jedenfalls enorm viel Spaß.

„Wenn ich heute eine Bewerbung erhalte, dann google ich als allererstes die Kandidatin oder den Kandidaten. Wenn ich nichts finde, lege ich mich wieder hin.“

Bleibt bei all der Selbstvermarktung überhaupt noch genug Zeit für die journalistische Arbeit, um die es doch eigentlich geht?

Ich verstehe die Frage nicht 😉 Nein, im Ernst: Diese Selbstvermarktung gehört für mich zumindest für jeden freien oder unternehmerisch denkenden Journalisten ganz selbstverständlich zum Handwerk. So wie jeder Handwerksbetrieb Anzeigen schalten oder andere Marketing-Aktivitäten betreiben muss, müssen auch wir freien
Journalismus-Unternehmer auf uns aufmerksam machen und so unsere „Ware“ an den Mann bringen. In Zeiten, in denen in Stellenanzeigen ausdrücklich „Web-Credibility“ gefordert wird, macht es auch für Festangestellte sehr viel Sinn. Wenn ich heute eine Bewerbung erhalte, dann google ich als allererstes die Kandidatin oder den Kandidaten. Wenn ich nichts finde, lege ich mich wieder hin. In Richtung Leser ist es wichtig, zu einer gesuchten Stimme zu werden und sich eine eigene Leserschaft aufzubauen, die einem im Idealfall auch über mehrere Medien hinweg folgt – auch wenn wir Journalisten gerne dazu neigen, die Wirkung unserer Persönlichkeitsmarke beim Leser zu überschätzen. Ungestützt kennt meiner Erfahrung nach kaum ein Leser mehr als ein oder zwei Journalisten bei seinem Lieblingsmedium mit Namen.

„Die Markenstrategie, die einige Kollegen im und mit dem Netz verfolgen, macht vielleicht nicht für jeden Sinn.“

Mal ganz ehrlich: Bist du insgeheim froh darüber, dass die Mehrheit deiner Kollegen noch nicht kapiert hat, wie der Hase läuft, weil auch du ansonsten in einem Marken-Meer untergehen könntest?

Wer sagt denn, dass der Hase unbedingt so laufen muss? Die Markenstrategie, die einige Kollegen im und mit dem Netz verfolgen, macht vielleicht nicht für jeden Sinn. Andere haben andere Strategien, um beruflich erfolgreich zu sein. Und wenn ich mich auf meine journalistische Arbeit konzentriere und fantastische Artikel
abliefere, bildet sich meine Marke ja auch schon fast von selbst – auch ohne Blog, Twitter oder Facebook. Auch als einfacher Arbeiter im Weinberg des Verlagsherrn kann man ja glücklich und zufrieden sein. Aber selbst wenn nun jeder Journalist plötzlich beschließen würde, eine Marken-Strategie im Netz zu verfolgen, würde das die aktuell sehr kleine Blase nur erweitern und der „Szene“ an sich sehr gut tun. Ich würde mich zum Beispiel riesig freuen, wenn mehr ältere Kollegen mit großem und großartigen Erfahrungsschatz in bestimmten Themenbereichen diesen ins Netz tragen würden. Dann würden wir uns vielleicht nicht mehr so um uns selbst drehen. Mich würde diese „Konkurrenz“ dazu anspornen, (noch) besser zu werden – ohne Angst vorm Untergehen im Marken-Meer.

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