janniskucharz

In einer kleinen Serie lasse ich einige Journalisten zum Thema Selbstvermarktung zu Wort kommen – und zwar solche, die das ziemlich gut drauf haben. Bisher: Daniel Bouhs, Daniel Fiene, Tobias Gillen, Silke Burmester und Karsten Lohmeyer. Heute am Start: Jannis Kucharz. Den Netzfeuilletonisten findet ihr bei Twitter und auf seinem Blog.

„Dranbleiben und über eine längere Zeit liefern.“

1) Viele sprechen davon, Journalisten müssten sich zur Marke entwickeln. Du hast das schon geschafft. Verrate uns doch bitte dein persönliches Geheimrezept.

Das Geheimnis ist relativ einfach: Dranbleiben und über eine längere Zeit liefern. Bislang ist der Markt lang noch nicht so kompetitiv, dass man mit guter Arbeit nicht recht schnell etwas erreichen könnte. Wir sehen ja immernoch Beispiele von Blogs, die relativ schnell sehr groß werden, einfach weil sie engagiert sind und einen neuen Ansatz mitbringen. Ich mache mein Blog einfach schon seit 5 Jahren, ich denke, das hilft auch.

„Mit dem einfachen Schreiben eines Artikels ist es ja noch nicht getan.“

2) Bleibt bei all der Selbstvermarktung überhaupt noch genug Zeit für die journalistische Arbeit, um die es doch eigentlich geht?

Für mich gehört das zusammen. Mit dem einfachen Schreiben eines Artikels ist es ja noch nicht getan. Ich will ja auch, dass dieser gelesen wird, also muss ich mich als Blogger & Journalist auch darum kümmern, dass er gelesen wird. Gleichzeitig will ich ja nicht mit Spiegel Online konkurrieren, sondern ich überlege mir sehr genau, welche Themen es für mich wert sind anzupacken. Wo habe ich einen anderen Ansatz und kann etwas Neues beisteuern? Wenn ich das nicht kann, verlinke ich lieber auf diejenigen, die das können. Und auch das hilft wieder meiner Marke.

„In Zukunft werden es auch diejenigen wesentlich leichter haben, die schon eine Marke haben.“

3) Mal ganz ehrlich: Bist du insgeheim froh darüber, dass die Mehrheit deiner Kollegen noch nicht kapiert hat, wie der Hase läuft, weil auch du ansonsten in einem Marken-Meer untergehen könntest?

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig man über viele Kollegen im Netz findet. Googelt man einen beliebigen Mitarbeiter einer Lokalzeitung, findet man oft wenig bis gar nichts. Ich finde es schwierig, dass gerade jene, die sich der Öffentlichkeit und Transparenz verpflichten, diese selbst scheuen. Und damit meine ich nicht, dass jeder alles Private ins Netz stellen soll, das tue ich auch nicht. Aber für den Leser ist es meiner Meinung nach eine wichtige und legitime Information zu sehen, wie arbeitet jemand und wie hat er es in der Vergangenheit getan. In Zukunft werden es auch diejenigen wesentlich leichter haben, die schon eine Marke haben. Ich weiß, es ist nicht jedermanns Dingn als Rampensau aufzutreten, aber ich komme gerade von einer USA Reise zum Thema „Journalism in the  Digital Age“ und was ich da gesehen habe macht einen nicht zwingend optimistisch. Ich habe halbleere Newsrooms gesehen und ohne pessimistisch zu sein, jeder Journalist kann sich ja ausrechnen wer in einem solchen Prozess eher seinem Schreibtisch behalten wird oder schneller einen neuen findet. Deshalb werde ich Zukunft auch noch stärker anderen dabei helfen eine eigene Markenaufzubauen.

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