SPOTLIGHT ist offen. Der Marketing Space für Solopreneure.Anmeldung endet inTagenStdMinSekMehr Infos
← Alle FolgenBranding Barista #12

Andrea Ballschuh im Interview: Mit Videos begeistern (Teil 1)

·29 Min.

Mit Videos begeistern. Heute bin ich wieder nicht allein im Podcast - sondern habe einen besonderen Interviewgast dabei – Andrea Ballschuh. Andrea kenne ich aus dem Fernsehen. Seit 25 Jahren arbeitet sie als Moderatorin und seit langem auch als Coach für Videos. Für mich steht Andrea für Authentizität und das Begeistern, gerade auch im Kontext mit Videos, wovor sich Einige noch scheuen. Andrea und ich sprechen (nicht nur) über ihren Weg. Bereits mit 11 Jahren stand sie vor der Kamera. Ihre Mutter schickte sie damals zum Casting. Aber sie wollte damals nie zum Fernsehen. Sondern zum Radio. Andrea war und ist immer dankbar, für die Dinge, die ihr widerfahren. Nach dem Abitur flog sie in die USA, als Au-Pair. Englisch konnte sie nicht. Innerhalb von drei Monaten beherrschte sie die Sprache. Und vor Ort wollte sie unbedingt zum Radio – mit 19 Jahren machte sie als ehemals DDR-Lebende ein Praktikum beim Radio in L.A. Als sie wieder nach Deutschland kam, war ihr klar, sie will zum Radio. Nach 1,5 Jahren fand sie ihren Job, und dass, weil der Programmchef Andrea´s Leidenschaft spürte. Dann kam eins zum anderen. Immer wieder wird sie gefragt: Wie werde ich Moderatorin? Letztendlich hat es mit viel Glück zu tun, aber auch ihre Leichtigkeit und ohne Druck hat sie dorthin gebracht. Quasi wie ein kleines Mädchen, welches neugierig alles ausprobieren mag, ohne den Druck dahinter, etwas haben zu müssen. Inzwischen arbeitet sie immer noch beim Fernsehen, aber wesentlich weniger. Sie suchte nach ihrem Sinn. Und stellte sich immer die Frage: „Bin ich wirklich hier, um Menschen ihre Langeweile zu nehmen?“ Nein, und das ist gut so, dass sie das erkannt hat. Denn so wusste sie, dass sie was ändern muss und suchte sich Unterstützung. Sie wollte unabhängig sein. Und so traf sie auf Calvin Hollywood.Wenn Du Calvin noch nicht kennst, höre unbedingt ins [Interview mit ihm](https://www.youtube.com/watch?v=xI_ICa7jTlQ) rein. Calvin unterstützte sie, wo er konnte. Und er glaubte an sie. Einfach war dieser Weg nicht, aber er hat sich gelohnt. Sie gibt wertvolle Video-Coachings. Zum Beispiel auch am 04.04.2022, 18 Uhr gibt es einen [kostenfreien Workshop. ](http://dein-videobooster.de) Andrea verstand: „Kunden kaufen nicht wegen der Zertifikate, sondern wegen der Persönlichkeit“ – und ist Calvin sehr dankbar. Sie spricht auch über ihre Follower – denn das waren keine Kunden, sondern Fans. Viele Follower sind nicht gleich viele Kunden. Der Wert ihrer Arbeit wurde ihr mit den ersten Kunden bewusst – sie wollte etwas bewegen. Sie hat den Sinn in ihrer Arbeit gefunden. Andrea sagt: „Energie ist lauter als jedes Wort“ und das beschreibt auch ihre Erfahrung. Denn wenn Jemand in einer unsicheren und schlechten Energie vor die Kamera tritt, spüren das die Zuschauer. Weiter geht´s in der nächsten Folge... Bleib Dir treu, Dein Julian
Transkript lesen (96 Absätze)

Automatisch transkribiert — einzelne Fehler sind daher möglich.

Herzlich willkommen zu einer neuen Episode des Branding Barista Podcasts. Auch dieses Mal bin ich mal wieder nicht alleine. Das ist zur Abwechslung ja immer sehr schön. Ich habe jemanden zu Gast, die, ich muss sagen, die kenne ich mal ausnahmsweise nicht zuerst aus dem Internet, sondern wirklich aus dem Fernsehen, aus dem alten Fernsehen.

Liebe Andrea Balschuh ist bei mir. Erfahrene Moderatorin, ich glaube, seit 25 Jahren machst du das Ganze schon, machst jetzt aber digital dein Video-Coaching. Und für mich bist du tatsächlich diejenige, die für das authentische Begeistern mit Videos steht. Für einen, der ja mit Videos immer noch so ein bisschen warm werden muss.

Ich freue mich sehr, dass du da bist. Ich freue mich tierisch, dass du da bist. Und weißt du was? Ich bin ein Fan von dir in Videos, weil als ich dich das erste Mal in einem Video erlebt habe, hast du für mich noch mehr an Zauber dazugewonnen.

Also Videos haben eine große, eine große Macht. Und ich finde, dich muss man einfach auch in Videos erleben. Ich gehe ja so nach und nach ein bisschen. Das erscheint jetzt auch als Video.

Insofern, genau. Gott sei Dank. Hast ja perfekt. Genau.

Andrea, du machst das jetzt schon seit 25 Jahren mit deinem Moderationsjob oder mit den verschiedenen Moderationsjobs. Ich glaube, HR-Fernsehen, ZDF, volle Kanne, kann ich mich tatsächlich noch daran erinnern. Für viele ist es ja, vor der Kamera zu stehen, im Fernsehen ein Traumjob. War es auch schon immer dein Traumjob?

Um ehrlich zu sein, wollte ich das eigentlich nie machen. Meine Mutter hat mich da reingestoßen, als ich elf Jahre alt war. Also wenn man so will, mache ich es eigentlich schon viel, viel länger. Warte mal, ich bin jetzt 49, seit ich elf bin.

Jetzt rechnen wir mal ganz schnell zurück. Seit 38 Jahren, seit 38 Jahren quasi schon. Aber seit 25 Jahren verdiene ich erst so richtig Geld damit. Und es war die Idee meiner Mutter, mich zu einem Casting zu schicken.

Ich war da gar nicht so heiß drauf. Und dann fand ich mich plötzlich als Kinderansagerin nach der aktuellen Kamera live in einem Fernsehstudio beim Fernsehen der DDR wieder. Und irgendwie war für alle der Weg klar. Nur für mich nicht.

Ich wollte noch Unterstufenlehrerin werden, so nannte man das damals in der DDR. Und alle anderen haben gesagt, nein, du musst zum Fernsehen. Ich wollte ganz lange Unterstufenlehrerin werden. Und dann habe ich mich dann aber doch entschlossen, Journalistik zu studieren.

Was aber nicht dazu gekommen ist, weil die Mauer fiel. Und dann war mein Volontariatsplatz beim Fernsehen auch hinüber. Und dann ist alles ganz, ganz anders gekommen durch die Wände. Okay, wie ist es denn dann gekommen?

Volontariatsplatz war weg. Und ich habe gedacht, ich muss erst mal abhauen und Englisch lernen. Und ich bin nach dem Abi in die USA geflogen als Au-pair-Mädchen. Ich konnte richtig gut Russisch.

Ich habe einen Vortrag gehalten, eine Buchbesprechung auf Russisch. Und konnte aber kaum Englisch. Ich habe es zwar als Pflichtfach ab der siebten Klasse gehabt. Aber in der ehemaligen DDR hatten wir niemanden, mit dem wir Englisch reden konnten.

Dafür mussten wir alle russische Brieffreunde haben. Und dann bin ich also mit wirklich sehr, sehr spärlichem Englisch in die USA geflogen. Und habe dort innerhalb von drei Monaten die Sprache aber so inhaliert, dass dann leider mein ganzes Russisch weg war. Ich wollte schon fragen, klappt es jetzt noch mit dem Russisch?

Nee, das Russisch ist leider wirklich komplett weg. Aber dafür geht das mit dem Englisch ganz gut. Und als ich da war in den USA, hatte ich es auch gar nicht so mit dem Fernsehen. Sondern ich war zu dem Zeitpunkt eigentlich radiogeil, muss man sagen.

Weil beim Kinderfernsehen in der DDR habe ich gearbeitet, bis ich 16 war. Und meine letzte Sendung im Kinderfernsehen habe ich moderiert mit einem Moderator vom Jugendradio DT64. Und der hat mich dann zu sich in die Sendung geholt und ich durfte dann Hörergröße vorlesen. Und dann war für mich mit 16 klar, ich will zum Radio.

Das ist ja viel cooler, weil beim Fernsehen sind die alle so eingebildet. Fand ich jedenfalls. Und von da an war eigentlich Radio mein Wunschtraum. Und als ich dann in die USA kam, habe ich im Telefonbuch nach Armin Amler gesucht.

Armin Amler war für mich so eine Radioikone, weil ich bin aufgewachsen mit Reas 2. Und Armin Amler war der Korrespondent aus Los Angeles. Und als ich dann in Los Angeles war, habe ich in einem Telefonbuch gesucht und gesagt, ich komme aus dem Osten, ich bin aus der ehemaligen DDR. Ich bin jetzt 19 Jahre jung und ich will zum Radio.

Kannst du mir einen Tipp geben? So ungefähr. Und dann hat er mir empfohlen, verschiedene Radiosender anzuschreiben in Los Angeles und sie um ein Praktikum zu bitten. Genau das habe ich getan.

Und dann habe ich als 19-jährige Ex-DDRlerin ein Praktikum bei einem amerikanischen Radiosender gemacht. Und als ich wieder zurückkam nach Deutschland, habe ich mich dann bei ganz vielen Radiostationen beworben mit gerade mal 20 und ohne Erfahrung im Gepäck. Ich habe mich auch ein Jahr lang bei ganz vielen beworben und wurde abgelehnt, permanent immer mal wieder abgelehnt. Aber ich hatte diesen großen Traum, ich will verdammt nochmal zum Radio.

Ich weiß, dass ich da hingehöre. Ich muss da hin. Es war nicht das Fernsehen. Okay.

Und dann bin ich nach ungefähr anderthalb Jahren dann bei dem Nachfolgesender von RIAS 2 gelandet, bei RS2. Und mit RIAS 2 bin ich aufgewachsen. Also da ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Und da hat mich der Programmchef genommen, obwohl ich keine Erfahrung hatte, aber er hat meine Leidenschaft gespürt.

Und der Schritt zum Fernsehen, der kam dann nur zwangsläufig, weil wir saßen im gleichen Gebäude mit der Deutschen Welle. Und die Deutsche Welle suchte jemanden, der Englisch sprechen kann fürs Wetter, fürs deutsche und englische Wetter bei Deutsche Welle TV. Und wir saßen halt in einem Gebäude. Ich habe das durch Zufall von erfahren und dann dachte ich, ach naja, ich habe ja mal beim Fernsehen moderiert.

Ach, guck mal, ob du es noch kannst. Und Englisch hast du ja ganz gut gelernt in L.A. Och, geh mal hin zum Casting. Und dadurch, dass es um nichts ging, ich hatte ja meinen Job beim Radio und ich war total glücklich damit, hat es dann geklappt.

Weil ich bin, glaube ich, so locker da rangegangen, dass sie gesagt haben, ja super, dich wollen wir haben. Und so war ich dann plötzlich im Fernsehen, obwohl ich da gar nicht wieder hin wollte. Und dann kam es irgendwann, kam eins zum anderen wahrscheinlich, oder? Und durch Empfehlungen oder wie, also ich sag mal, morgens Sendungen zu haben, wie jetzt zum Beispiel Volle Kanne.

Das ist ja wahrscheinlich, würde ich jetzt mal sagen, nach irgendwelchen Primetime-Formaten, das, wo man auch am meisten Sichtbarkeit bekommt und wo man vielleicht auch hin will. Was lustig ist, ich bin zwar schon seit fünf Jahren gar nicht mehr bei Volle Kanne, aber ich werde heute immer noch darauf angesprochen auf die Sendung, weil ich sie 13 Jahre moderiert habe. Wie ging denn der Weg? Weil ich werde ganz oft gefragt, wie wird man denn Moderatorin?

Da musst du ganz viel Glück haben. Ich habe ja weder eine Ausbildung gemacht, noch habe ich studiert, weil als ich zurückkam aus den USA, wollte ich zwar immer noch Journalistik studieren, aber ich war zu spät fürs Bewerben. Also habe ich erst mal ein Jahr lang gejobbt über eine Zeitarbeitsfirma. Dann bin ich beim Radio gelandet und hatte eine Abendsendung und dachte, gut, jetzt kann ich mich bewerben fürs Studium und kann ich tagsüber studieren und abends moderieren.

Dann bin ich aber in die Morgensendung gerutscht und dann hatte ich plötzlich keine Zeit mehr zum Studieren und habe die Morgensendung moderiert beim Radio. Ja und als ich dann beim Fernsehen gelandet bin, bin ich entdeckt worden von dem Programmchef von Sat.1. Die wollten eine Wettermoderatorin haben, also war ich plötzlich bei Sat.1. Und dann habe ich das Wetter bei ProSieben moderiert und habe es so natürlich, weil es im Abendprogramm war, schon eine starke Sichtbarkeit gehabt und habe dann durch Zufall von einem Casting bei Volle Kanne erfahren.

Also das sind alles echt immer nur Zufälle. Du musst jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt. Und da habe ich dann meine Bewerbung hingeschickt, bin zu einem Casting eingeladen worden, wo ich glaube 30 Frauen waren und wurde da gecastet für eine Sendung, eine Volksmusiksendung. Das war gar nicht das Casting für Volle Kanne.

Eigentlich ging es um eine Volksmusiksendung und 2002 war das, habe ich dann meine erste Abendsendung im ZDF gehabt, eine Volksmusiksendung. Und als dann die Moderatorin von Volle Kanne nämlich schwanger wurde und die händeringend jemanden gesucht haben, haben die sich an dieses Casting erinnert. Ach, da haben wir doch noch so ein Castingband mit ganz vielen Frauen, die gecastet wurden. Vielleicht ist ja eine dabei, die jetzt hier in die Sendung passt.

Ja, und irgendwie hat das mit mir gepasst und plötzlich fand ich mich bei Volle Kanne wieder. Also alle meine Fernsehjobs sind zu mir geflogen. Ich habe mich nie aktiv beworben, sondern irgendwie ist das alles zu mir gekommen. Und ich habe es immer voller Dankbarkeit dann auch angenommen, aber ich habe auch nie gezweifelt.

Ich war immer total zufrieden mit dem, was ich hatte. Und viele haben mich immer gefragt, ja, was willst du denn? Was sind denn so deine großen Träume? Und ich so, ach, weißt du, ich bin eigentlich ganz zufrieden mit dem, was ich jetzt habe.

Also ich muss jetzt nicht die große Abendshow moderieren. Das ist eigentlich ganz schön, so was ich jetzt mache. Damals wusste ich noch nicht, wie wichtig eine Vision ist. Ich wollte gerade sagen, eine Vision, warum?

Als Moderatorin war das nicht ganz so wichtig. Wenn man ein eigenes Business hat, ist das entscheidend, eine Vision zu haben. Ja, und irgendwie bin ich durch ganz viel Glück immer überall reingerutscht, weil ich, glaube ich, aber auch ohne Druck daran gegangen bin, weil ich nie diesen Mangel ausgestrahlt habe, ich brauche das jetzt ganz dringend, sondern weil ich so eine gewisse Naivität vielleicht auch hatte und so eine Entspanntheit. Weil es ging um nichts.

Ich habe es einfach gemacht, weil es mir Spaß gemacht hat. Und auch wenn es nicht klappt, ist jetzt auch nicht so schlimm. Aber ich war so wie so ein kleines Mädchen immer in all den Sachen dabei. Ich probiere das jetzt mal aus.

Ich mache das jetzt einfach mal. Und vielleicht hat es deshalb so gut geklappt. Und du machst das jetzt aber nur noch zum Teil. Oder bist du jetzt überhaupt noch im Fernsehen zu sehen?

Doch, teilweise schon. Ja, ich bin schon immer noch im Fernsehen. Ich habe aber meine Fernseharbeit massiv zurückgefahren, weil ich mich jetzt mehr und mehr aufs Videocoaching fokussiere. Und irgendwann musst du dich einfach entscheiden.

Ich habe mein Online-Business neben meiner Arbeit als Moderatorin aufgebaut. Und das hat mich echt an den Rand eines Burnouts gebracht, möchte ich mal sagen. Und irgendwann musste ich die Entscheidung treffen, mich von einer Sendung zu trennen, nämlich von Hallo Hessen. Da bin ich gelandet, weil ich, ich habe volle Kanne nach 13 Jahren aufgehört, weil ich nicht mehr pendeln wollte und meine Tochter nicht alleine lassen wollte.

Und dann habe ich mich nach vier Jahren bei Hallo Hessen verabschiedet, weil ich sage, ich möchte jetzt wirklich den Fokus auf das Videocoaching legen, weil ich merke, dass mir das auch mehr Erfüllung bringt. Weil plötzlich hat meine Arbeit auch einen Sinn. Im Fernsehen ist es ganz nett, aber ich habe gedacht, ich nehme ja den Leuten nur die Langeweile. Aber was verändere ich denn schon in dieser Welt?

Es kann doch nicht sein, dass ich dafür auf die Welt gekommen bin, den Menschen die Langeweile zu nehmen. Es muss doch irgendeinen anderen Sinn für mich geben. Und den Sinn habe ich dann im Videocoaching gefunden. Aber den habe ich gar nicht alleine entdeckt.

Ich wollte gerade sagen, wie kam es dazu? Weil du wachst ja nicht auf und denkst, oh komm, jetzt mal Videocoaching. Ich bin durch Calvin Hollywood. Ich bin durch Calvin Hollywood drauf gestoßen, 2019.

Und ich habe einmal als Moderatorin das erlebt, was man keiner Moderatorin wünscht. Ich habe relativ gut verdient. Ich war aber auch Alleinverdienerin, mehr oder weniger. Ich habe die Familie ernährt und war beim MDR eine sehr, sehr gut beschäftigte Moderatorin.

Und der damalige Unterhaltungschef hat mich ganz, ganz viele tolle Sendungen moderieren lassen. Live-Sendungen, Abendsendungen. Ich bin da sehr, sehr gewachsen. Der ist allerdings irgendwann gegangen worden und dann kam ein neuer Unterhaltungschef.

Und der wollte alles anders machen als sein Vorgänger. Und so hat er blöderweise aber auch in Bezug auf mich alles anders gemacht. Das heißt, er wollte seine eigenen Leute etablieren. Und ihm war es auch ein Dorn im Auge, dass ich außerdem noch beim ZDF moderiert habe.

Und so hat er mich aus allen Sendungen gestrichen. Und das waren mehrere Sendungen. Ich habe echt gut verdient beim MDR damals. Und plötzlich war ich aus fast allen raus.

Bis auf meine Mitteldeutschland-Sendung, Mitteldeutschland-Quiz. Das mache ich jetzt seit 17 Jahren. Aber das hätte nicht gereicht, um die Familie zu ernähren. Und ich war so hilflos, weil ich dachte, ich habe nichts falsch gemacht.

Wir hatten gute Quoten. Ich bin keine Zicke. Ich habe es mir mit niemandem versaut. Und jetzt bin ich raus, ohne dass ich schuld dran bin.

Weil ich habe echt nichts falsch gemacht, sondern einfach nur, weil der Programmchef irgendeine blöde Laune hatte und ich da nicht in sein Bild gepasst habe. Und deswegen habe ich dann beschlossen damals, ich werde eines Tages mir etwas aufbauen, was mich unabhängig sein lässt von irgendwelchen Programmchefs oder Unterhaltungschefs. Weil als Moderatorin kannst du nicht hingehen zu den Sendern und sagen, hier, gib mir meine Sendung. Ich muss meine Miete bezahlen.

Du bist immer darauf angewiesen, dass man dich anfragt. Auch für Gala-Moderation. Und das hat mich in so eine blöde Abhängigkeit gebracht, die ich nicht haben wollte. Das heißt, du warst auch nie fest angestellt, sozusagen.

Sondern die Moderationsdenkt man ja ganz gerne mal. So alle, die moderieren sind bei Sat.1, ZDF, auch immer angestellt. So war es nicht. Es gibt ganz wenige festangestellte Moderatoren.

Weil, die wirst du ja nicht mehr los. Weißt du was ich meine? Also, wir werden nur pro Sendung bezahlt. Oder kriegst einen Vertrag für maximal ein Jahr.

Die älteren Moderatoren haben vielleicht noch festangestellte Verträge. Aber heutzutage kriegst du bei einem Fernsehsender kaum noch einen Vertrag als Moderatorin für eine Festanstellung. Weil, wenn halt irgendwann du in ein Alter kommst, wo du vielleicht nicht mehr so ins Sendeschema passt, ja, was willst du da machen? Dann müssen die dich ja dann mit Vertrag trotzdem weiter moderieren lassen.

Oder sie müssen dir sehr, sehr, sehr viel Geld bezahlen. Nee, also, ich war immer nur, ich habe immer nur von Sendung zu Sendung mein Geld bekommen. Und das ist manchmal ein blödes Gefühl gewesen. Und deshalb bin ich dann vor zwei Jahren auf Calvin Hollywood zugegangen.

Weil ich dachte, ich will jetzt unabhängig werden. Und das geht nur für meine Verhältnisse, also für das, was ich kann, online. Damals wollte ich aber noch was machen zum Thema zuckerfrei. Weil ich habe zwei Bücher geschrieben über zuckerfreie Ernährung.

Weil ich meine Fettleber hatte und der Arzt mir gesagt hat, ich soll auf Zucker verzichten. Und ich das als totaler Zucker-Junkie dann aber auch geschafft habe. Und Calvin Hollywood hat 2019 sich echt viel Zeit genommen für mich. Hat den Markt recherchiert, hat recherchiert, was ich gemacht habe.

Und hat gesagt, nee, also ist ja schön, dass du zwei Zuckerbücher geschrieben hast. Du kannst ja gerne weiter darüber sprechen. Aber damit ziehst du kein Business auf, sondern du musst Video-Coach werden. Ich so, nee, wie denn?

Ich habe das ja nicht gelernt. Er sagte, du machst das seit 25 Jahren. Ich so, ja, aber ich habe es mir selber beigebracht. Ich weiß doch nicht, wie ich das jetzt anderen beibringen soll.

Ich habe doch kein Zertifikat. Ich habe kein Studium. Ich habe keine Ausbildung. Ich weiß nicht, wie das geht.

Er sagte, aber das ist doch das Beste, was den Leuten passieren kann. Du machst ihnen vor, dass man kein Studium dafür braucht, dass man sich das selbst beibringen kann. Und gerade, weil du es dir selbst erarbeitet hast, kannst du es natürlich anderen Leuten weitergeben. Aber ich hatte große Minderwertigkeitskomplexe am Anfang und habe gedacht, alle anderen sind besser als ich mit ihren Zertifikaten.

Bis ich irgendwann mal kapiert habe, Kunden buchen uns nicht wegen unserer Zertifikate, sondern wegen unserer Persönlichkeit. Und weil wir ihnen etwas hoffentlich zum Vibrieren bringen, hat an der Weile gedauert, das zu kapieren. Und ich bin Calvin Hollywood echt extrem dankbar, dass er das in mir erkannt hat und mich da volle Lotte ins kalte Wasser gestoßen hat. Also der Sprung ins kalte Wasser war echt hart und ich habe mehrfach geheult und wollte hinschmeißen.

Aber Calvin hat mich da ganz gut durchgepeitscht. Kann man so sagen. Er war damals noch ein bisschen Drill Sergeant mäßig drauf, aber er hat sich ja inzwischen auch gewandelt. Aber ich brauchte das.

Ich brauchte dieses wirklich harte Anpacken. Also der ist halt straightforward. Der schmiert dir kanonisch ums Maul. Der packt dich nicht in Watte.

Er ist aber in dem Moment, also ich habe irgendwann mal habe ich ihn heulend angerufen und habe gesagt, das ist mir alles zu viel. Ich fühle mich überfordert. Und dann war er total lieb und hat gesagt, Andrea, wenn ich nicht wüsste, dass du das packst, dann hätte ich das nicht mit dir gemacht. Aber ich weiß, dass du das kannst.

Auf einmal hat er eine ganz andere Seite von sich gezeigt und ich habe mich so gut aufgehoben gefühlt. Und ich habe ihm wirklich ganz, ganz, ganz viel zu verdanken. Ja, das glaube ich. Warst du denn in deiner Moderatoren- oder in der reinen Moderatorenzeit schon in Social Media irgendwie sichtbar?

Ich war privat sichtbar bei Social Media und das war ein Trugschluss. Ich dachte, als ich eingestiegen bin ins Online-Business, ach, das wird total leicht. Ich habe ja so viele Follower. So 16.000 bei Facebook, 13.000 bei Instagram und ich habe echt gedacht, das wird ja easy-beasy mit so vielen Followern.

Haha, denkst du, das waren ja alles nur Fans. Die sind ja der Moderatorin gefolgt. Das waren ja gar keine Kunden. Und ich musste wirklich bei null anfangen, weil ich musste mir erstmal langsam Kunden ranholen.

Die mussten ja erstmal erfahren, wer ich bin, was ich mache und was sie davon haben. Und das hat mir dann überhaupt gar nicht gut getan, dass ich so viele Follower hatte, weil wenn ich meine Video-Coaching-Themen gepostet habe, dann haben die nicht reagiert, weil das ja gar nicht meine Zielgruppe war. Das heißt, ich habe viele Follower, aber nur ein minimaler Bruchteil von denen reagiert auf meine Postings. Das heißt, der Algorithmus denkt, naja, kann ja nicht so spannend sein, was die da postet.

Theoretisch hätte ich, glaube ich, meinen Account löschen müssen, um dann wieder neu anzufangen. Aber ich habe inzwischen den blauen Haken und dann habe ich gedacht, ach nee, jetzt lasse ich so weiterlaufen. Ja, das stimmt. Gab es denn Kritik von Zuschauern oder von Fans, die gesagt haben, oh Gott, die Moderatorin, die ich so mag, die verkauft plötzlich etwas, die wird irgendwie werblich?

Oder war das gar nicht? Es gab Unverständnis von Kolleginnen und Kollegen. Das habe ich mitbekommen. Also die haben mich, glaube ich, anfangs so ein bisschen belächelt und vor allem, als ich wegen des Video-Coachings dann auch eine Sendung abgegeben habe.

Also welcher Moderator gibt freiwillig eine Sendung ab und verzichtet damit auf Sichtbarkeit? Die haben doch gesagt, ach, das mit Corona, das geht doch sowieso wieder vorbei. Ach, und dann brauchen die alle kein Video-Coaching mehr. Und es hat sich aber gezeigt, dass der Trend in eine ganz andere Richtung geht, sondern Video-Content wird ja mehr und mehr und mehr gehypt.

Und lustigerweise haben ganz viele Moderatorinnen und Moderatoren während der Pandemie keine Jobs mehr gehabt, weil es gab keine Galas mehr zu moderieren, keine Events mehr zu moderieren. Und ich hatte gut zu tun, online. Und inzwischen hat sich das gewandelt. Inzwischen kommen viele ehemalige Kolleginnen auf mich zu und fragen auch um Rat.

Aber anfangs bin ich da, glaube ich, eher so ein bisschen belächelt worden. Was die Fans angeht, ja, ich hatte viele männliche Fans, die sich dann, weißt du, so auch viele, die sich über bestrumpfte Beine und High Heels freuen. Okay. So, so in der Art.

Und die haben manchmal schon komische Kommentare geschrieben. Das hat mich aber überhaupt nicht gestört, weil ich weiß ja, gut, das sind jetzt auch nicht meine Kunden. Das sind definitiv nicht meine Soulmates. Und die wollen mich weiterhin gerne im Minikleid sehen, kriegen sie aber nicht.

Also wie die über mich denken oder wie die das finden, was ich mache, das ist mir relativ egal. Das beeinflusst mein Leben nicht. Aber inzwischen hat sich das alles gewandelt, weil auch Kollegen jetzt auch mitkriegen, was die Arbeit bewirkt. Und lustigerweise habe ich gerade heute noch eine Mail bekommen von einer, die sagt, wow, ich bewundere dich für deinen Mut, dass du freiwillig eine Sendung abgegeben hast, um dich hier auf dein Online-Business, auf das Video-Coaching zu fokussieren.

Das hätte ich mich nicht getraut. Glaube ich. Also da bin ich schon überrascht, wie sich die Wahrnehmung auch gewandelt hat. Ja.

Hast du es aber dann bewiesen, dass der Weg der richtige ist. Ja, und da hat sich, weißt du, da hat sich dann auch gezeigt, das, was ich als Jugendliche, als junges Mädchen, als 20-Jährige mit dem Radio erlebt habe. Dieses damals wusste ich, ich will unbedingt zum Radio. Ich will das so sehr.

Ist mir scheißegal, wie lange das dauert. Ist mir scheißegal, dass ich jetzt hier fünf Ablehnungen bekommen habe. Aber ich weiß, eines Tages werde ich beim Radio sein. Und das hat sich auch jetzt wieder gezeigt.

Der Anfang im Online-Business, das erste halbe Jahr, war wirklich hart. Und als ich dann aber meine ersten Kunden hatte für meinen allerersten Online-Kurs, mit denen gearbeitet habe und die dann persönlich getroffen habe, da war ich ja immer noch voller Zweifel, ob meine Arbeit gut genug ist, ob ich damit was bewirke bei Menschen. Und als wir uns dann aber getroffen haben und die mir gesagt haben, boah, dein Kurs und die Arbeit mit dir war so wertvoll und wir wollen unbedingt mit dir weitermachen. Und ach, eigentlich hättest du noch eine Null an den Preis dranhängen müssen.

Der hat damals 600 Euro gekostet. Und ich so, was? Was? Was sagen die da?

Oh mein Gott. Ich war so geplättet. Ich habe echt geheult. Und da hat sich bei mir alles gewandelt.

Da wurde mir auf einmal der Wert meiner Arbeit bewusst. Und dass ich etwas bei Menschen bewegen kann, das wusste ich vorher nicht. Weil ich den Applaus von den Zuschauern, den habe ich zwar zuhauf bekommen, nur wem applaudieren die denn? Die applaudieren an der Hülle, die sie sehen im Fernsehen.

Die kennen den Menschen ja nicht. Wenn ich Videocoaching mache, dann bin ich aber ganz pur. Dann kann ich keine Rolle spielen, sondern dann bin ich ganz echt. Und dann zu merken, wenn ich Andrea bin, ohne in einer Rolle zu sein, und Moderatorin sein ist eine Rolle, dann bewege ich richtig was bei den Menschen.

Und das hat mir erst den Sinn meiner, also das hat meiner Arbeit dann plötzlich einen Sinn gegeben. Das heißt, ich habe vor zweieinhalb Jahren mit 47 zum allerersten Mal überhaupt einen Sinn in meiner Arbeit gefunden. Und dann dachte ich, die ganzen letzten 25 Jahre waren genau dazu da, mich hierher zu bringen. Jetzt zeigt sich das alles, wofür ich hier auf die Welt gekommen bin, dass ich jetzt bei Menschen etwas bewegen kann.

Dazu hat es auch die 25 Jahre gebraucht. Hätte wahrscheinlich auch in zehn Jahren gereicht, aber du weißt, was ich meine. Ja, absolut. Und plötzlich hatte ich ein Wofür.

Und man hätte von außen denken können, das ist schon vorher da, so die Moderatorin angesehen, tolle Jobs. Aber was im Innen passiert und was einem selbensinnig gibt, ist nochmal eine ganz andere Sache. Ich war innerlich auch leer. Ich hatte von außen alles, was man brauchte, um glücklich zu sein.

Ich war angesehen, ich habe gutes Geld verdient. Die Prominenz hat mir auch Vorteile verschafft. All das. Und auf der Straße angesprochen zu werden, ist aber auch nicht unbedingt das, wonach man sich sehen muss.

Also wenn junge Mädchen heute sagen, ich will berühmt werden, denke ich, um Gottes Willen, bitte nein. Bitte, bitte nicht. Es kann auch ein Fluch sein, bekannt zu sein. Und deswegen war ich oftmals so leer hier.

Also ich bin über rote Teppiche gelaufen und ich hatte Artikel in Zeitschriften und war in bunte und bla bla bla. Und da sollte man ja denken, wenn du dich in der eigenen Zeitschrift siehst, ist das nicht geil? Und ich habe die Zeitschrift angeguckt und habe aber hier im Brustbereich trotzdem eine Leere gefühlt. Und ich habe mir damals schon Bücher gekauft, The Secret und weiß ich nicht was noch alles, sämtliche spirituellen Bücher, weil ich auf der Suche war nach etwas, was dieses Loch hier füllt.

Ich habe mir damals viele Schuhe und Klamotten gekauft und Kleidung und Taschen. War sehr im Außen, habe versucht immer im Außen auch schöner zu sein oder attraktiver zu sein und blieb im Inneren so leer. Ich wurde eigentlich im Inneren immer leerer, je mehr Taschen ich mir gekauft habe, je mehr Klamotten ich mir gekauft habe, weil ich mich selber mehr und mehr verloren habe. Und dann hat ein Schweigeklosteraufenthalt im Grunde genommen die Wende bei mir gebracht, weil ich da mit mir alleine war und da zum ersten Mal meine innere Stimme gehört habe, so richtig laut schreien hören habe, die eine große Veränderung in meinem Leben herbeigerufen hat.

Ich habe mich dann getrennt und bin mit meiner Tochter dann ausgezogen. Wir haben ein wundervolles Verhältnis heute, also wir verstehen uns richtig, richtig gut. Aber das war der einzig wahre Schritt und da, also vor fünf Jahren, habe ich glaube ich erst angefangen, auch mich zu finden durch diesen Aufenthalt im Schweigekloster und meine Bedürfnisse zum ersten Mal überhaupt wahrzunehmen, weil ich habe immer die Bedürfnisse der anderen zu meinen Bedürfnissen gemacht. Und mich auch zum Beispiel ungeschminkt anzunehmen, dieses mich ständig in schicke Kleidung hüllen, schöner aussehen, weil ich, seit ich denken kann, werde ich geschminkt, weißt du?

Ich gucke mir selber ständig ins geschminkte Gesicht und wenn ich ungeschminkt war, habe ich mich ganz, ganz unsicher gefühlt. Und im Schweigekloster war ich ungeschminkt und habe mich selber mit meinem ungeschminkten Gesicht konfrontiert. Und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich selber lange anschauen konnte. Und plötzlich, ich habe ganz, ganz lange in den Spiegel geguckt und habe erst die Mängel gesehen und was alles angeblich nicht stimmt an mir.

Und plötzlich, je länger ich mich angeschaut habe, ich habe mich wirklich gezwungen, mich anzugucken. Auf einmal kamen, mir liefen irgendwann Tränen übers Gesicht, weil ich mit jeder Minute mich irgendwie plötzlich schöner fand. Und als würde das mein Wesen sich zeigen, als hätte ich plötzlich meinem eigenen Wesen ins Gesicht gesehen. Und dann fing ich an zu heulen, weiß ich noch.

Und das war der Moment, wo ich dann auch angefangen habe, mich selber anders zu behandeln, auch mal ungeschminkt rauszugehen. Und ich weiß noch, wie unsicher ich am Anfang da war. Und auch meinen Körper anzunehmen. Und das war halt ein Entwicklungsprozess.

Und ich glaube, ohne diesen Entwicklungsprozess könnte ich heute auch kein Video-Coach sein, wo ich das alles selber durchmachen musste. Weil ich hatte, ich habe mich unsicher gefühlt mit mir selber. Aber wenn du dich unsicher fühlst mit dir selbst vor der Kamera, dann strahlst du auch diese Unsicherheit aus. Wenn du selber über dich denkst, ich bin nicht richtig, ich bin nicht gut genug, dann senden wir diese Energie auch aus.

Dann kommt das auch beim Gegenüber an. Dass dein Gegenüber spürt, irgendwas stimmt nicht mit der. Ich sage immer, Energie ist lauter als jedes Wort. Deswegen ist es so wichtig, dass wir uns selber annehmen können und dass wir das Gefühl haben, hey, ich bin genau richtig, nicht so, wie ich bin, genau richtig, nicht gut genug, sondern, nee, ich bin genau richtig.

Und als ich das selber erkannt habe, erst als ich es selber erkannt hatte, konnte ich das auch weitergeben. Also vor zehn Jahren hätte ich noch gar kein Video-Coach sein können, weil ich in den Menschen nichts hätte bewegen können, weil ich selber in mir nichts bewegt habe. Bis zum nächsten Mal.